Elternbrief Frühling 2012

Liebe Eltern, Großeltern und Freunde der Waldracker

 

                               Endlich Frühling

 

Heute haben wir festgestellt, dass die Bäume wieder grüne Blätter haben – doch, bestimmt! Sie wachsen auf Augenhöhe der Kinder und sind noch ganz klein und zart.

Jeden Frühling spüren wir diese Freude über das Wachsen und Aufblühen der Natur und haben lange genug Winter gehabt.

 

Natürlich hatten wir auch in der kalten Jahreszeit eine Menge Spaß und tolle Erlebnisse.

Die Schneetage konnten wir leider an einer Hand abzählen und richtig Schlitten fahren war gar nicht möglich. Dafür hatten wir ganz eisige Tage, die eine Riesenpfütze auf der Wiese an unserem Bauwagen und den Weiher samt Möttbach  komplett zufrieren ließen.

 

Die Kinder hatten eine Riesenfreude daran, das Eis der Wiese zu erobern. Mit Poporutschern oder auf dem Hosenboden wurde gerutscht und gerutscht.

Dabei kugelten große und kleine Waldracker übereinander oder schlitterten in „Klumpen“ den Abhang hinunter.

 

Auch konnten sie nicht genug davon bekommen, riesengroße und schwere Eiszapfen oder Platten aus dem Möttbach zu brechen und lange Strecken mitzuschleppen. Dabei war das Spiel der Jungs mehr darauf ausgerichtet, das Eis zu zerschmettern und möglichst große schwere Platten an Land zu ziehen, während die Mädchen massenweise Eisstücke sammelten um es mit nach Hause zu nehmen.

 

Als sich ein eisiger Wind zu Temperaturen bis minus 18 Grad gesellte, schlüpften wir für drei Tage im „Büro“ im Gemeindehaus unter, wo ein paar Bausteine, Gummitiere und Autos unser Naturspielzeug ersetzten. An diesen Tagen erkundeten wir vorm Nachhausegehen den Bach und seine faszinierenden Eisgebilde auf dieser Seite des Dorfes.

 

An den wenigen Schneetagen konnten wir beobachten, wie viele verschiedene Tiere auf Bach und Weiher unterwegs waren. Spuren von Hirsch, Reh, Hermelin, Eichhörnchen, Reiher, Ratte und Mäusen wurden identifiziert und mit Begeisterung verfolgt.

 

Ergiebige Regengüsse am Anfang des Jahres ließen den kleinen Teich überlaufen. Um dieses Hochwasser überqueren zu können, bauten wir mit einem großen Brett eine Brücke. So konnten wir den völlig überfluteten Steg am Wasserfall erreichen.

Am Bauwagen entstanden zwei tolle Seen, wo wir einen Staudamm mit Überlauf errichteten und uns im Wasserradbau versuchten. Es gab jede Menge Schlamm zu schippen und die Kinder waren einheitlich braun. An einem besondern „schlammreichen“ Tag entstand Andrews „wunderbarer Waldwaschsalon“. Aus einem selbstgegrabenen Wasserloch oberhalb des Bauwagens wurde eimerweise Wasser herbeigeschleppt. Mit einem Besen schrubbte Andrew die besonders matschigen Waldracker ab, sodass man sie wieder erkennen konnte. Bei diesem Riesenspaß sind herrliche Fotos entstanden.

 

Das Faschingsfest feierten wir dieses Jahr ganz traditionell, so wie die Leute früher.

Als gruselige Hexen, Zauberer und andere Wesen versuchten wir die Gespenster des Winters zu vertreiben. Vorbereitet wurde das Fest mit einer Gruselwerkstatt, in der schreckliche Krabbeltiere, Spinnen, Hexen und Grüffelomasken entstanden.

Am Fest selbst gab es die gruseligsten Gerichte: abgehackte Finger im Blutbrötchen, Mäusehirne, Elefantenklöße, Katzenaugen in Blut, Krötenschleim mit Warzen, grüner Froschkuchen Katzenmägen und andere „eklige“ Sachen. Die Eltern waren wirklich absolut kreativ – Danke für so viel Phantasie!

 

Kurz nach Fasching wurden am Weiher ganz viele Bäume gefällt und einfach am Rand liegen gelassen. Erst haben wir gar nicht verstanden was das sollte, aber dann hat uns Förster Bartling erklärt, wozu das gut ist. Die Baumstämme bilden einen natürlichen Zaun um einen Teil des Weihers und ermöglichen das Wachsen einer sogenannten Benjeshecke.

Diese soll den hier nistenden Wasservögeln eine Ruhezone bieten und Störendes von außen fernhalten.

Wir sind gespannt, ob wir dann endlich wieder Enten- Teich- und Blässhuhnküken zu sehen bekommen.

 

Die Zeit am Bauwagen haben die Kinder besonders genutzt, um sich in der Werkzeughandhabung zu üben. Täglich wurde gehämmert, gesägt und genagelt. Die großen Waldracker lernten den Umgang mit Beil und Spitzhammer, natürlich unter Anleitung und mit besonders strengen Regeln, damit sich niemand verletzt.

 

Als das Thema „Wölfe“ im Freispiel immer wieder auftauchte, führten wir ein kleines Projekt dazu durch. Wir erfuhren einiges über das Leben dieser Tiere, die es ja auch in einigen Teilen Deutschlands wieder freilebend gibt. Vor Kurzem wurde sogar im Westerwald, also ganz in unsrer Nähe, ein Wolf gesichtet.

Mit Hilfe eines Zollstockes und einer Waage fanden wir heraus, dass zwei Kinder so schwer wie eine Fähe (Wolfsfrau) und drei so schwer wie ein Wolfsrüde sind.

Vier Waldracker mit Rucksack ergeben, wenn sie sich hintereinander aufstellt, die Länge eines Wolfes – mit Schwanz muss man noch ein bis zwei Kinder dran stellen.

In einem Bildband über Wölfe konnten wir uns das Gelernte noch mal ganz genau anschauen.

Außerdem spielten wir nach, wie sich zwei (blinde) Wölfe mit Geheule finden und wie der Hütehund seine Schafsherde vor den Wölfen beschützt (oder auch nicht).

Während des Projektes entstanden gestempelte Wolfsspuren und tolle Collagen, die wir nach Ostern in einer Braunfelser und einer Weilmünsterer Apotheke ausstellen dürfen.

 

Auch andere Tiere begleiteten uns immer wieder. Eine Entdeckungstour hinter unserem Bauwagen führte uns zu Fuchs- und Dachsbauten, wo wir jede Menge Spuren entdeckten.

 

Auf den Wegen und an den verschiedenen Plätzen zeigen sich immer wieder Rötelmäuse, die wir den ganzen Winter über fütterten. Auch die Vögel am Bauwagen wurden gut von uns versorgt.

 

Unsre neueste Errungenschaft ist ein Bienenvolk, dass uns Herr Schuler, Michels Opa, Ende März gestiftet hat. Unter Berücksichtigung vieler Kriterien wählten wir einen Platz in der Nähe des Bauwagens, wo mit Wasserwaage, Brettern und Akkuschrauber ein Stellplatz für die Bienenbeute gezimmert wurde. An einem warmen Frühlingstag konnten wir unser Volk aufstellen und die Bienchen erkundeten ihre neue Heimat. Jetzt hoffen wir auf gutes Wetter, viele Blüten und einen reichen Honigertrag.

 

Der extrem schnelle Frühlingseinbruch, mit sehr warmen Tagen im März hat uns aber auch ein trauriges Naturschauspiel geboten. Am Sonnenstegplatz fanden wir neben ein paar wenigen Krötenpärchen ganz viele tote Frösche und Kröten im und am Wasser. Wir fragten nach, woran das wohl liegen könnte und bekamen die Antwort vom Forstamt. Eine Laboruntersuchung eines toten Frosches ergab, dass die Wärme das Bakterienwachstum im Weiher besonders unterstützt hatte und die zur Zeit geschwächten Frösche und Kröten damit gar nicht zurechtkamen.

 

Besonders schön hingegen war, dass Herr Männer uns mal wieder am besucht hat. Er brachte ganz viel Holz zum  Werken mit und hatte einen selbstgebauten Nistkasten für uns dabei. Den haben wir gleich in der Nähe vom Bauwagen aufgehängt und ,denkt euch, er ist schon bewohnt.

 

Seit Anfang des Jahres gibt es jeden Dienstag neben der „Vorschule“ für die schlauen Delfine auch besondere Angebote für unsere „Mittleren“.

 

Die schlauen Delfine erforschten an einigen Dienstagen geometrische Figuren. Diese wurden in der Natur gesucht, auf Papier gemalt, ausgeschnitten, zerlegt und gespiegelt.

Passend zum Thema besuchten die sechs großen Waldracker den Mathetag in der Grundschule Weilmünster. Gemeinsam mit anderen Kindergartenkindern aus der Gemeinde und den Erstklässlern konnten die unterschiedlichsten mathematischen Aufgaben spielerisch erfahren werden.

Die nächsten Dienstage wurde im „Büro“ gefaltet. Jedes „Vorschulkind“ stellte sich sein eigenes Buch mit der Faltgeschichte vom kleinen Quadrat her.

 

Die 4 bis 5jährigen Waldracker trafen sich zur gleichen Zeit zum Experimentieren mit Wasser, Feuer, Farben und Natron. Dabei wurde ein Teelichtaufzug, ein Feuerlöscher und eine Teebeutelrakete hergestellt. Außerdem erforschten sie die Zusammensetzung der Farben (Chromatographie) und beobachteten, wie sich mit Tinte gefärbte Zuckerwürfel in Wasser auflösten. Mit Hilfe von Natron und Essig wurden Vulkane gebaut und deren „Ausbruch“ beobachtet.

 

Von der Siemens-Stiftung haben wir Mitte März zwei tolle Forscherkisten zu den Themen „Wasser, Luft und Farben“ und „Elektrizität und Schall“ mitsamt einer Fortbildung für zwei Erzieher gestiftet bekommen. Frisch geschult und mit neuem Wissen und Material ausgestattet werden wir wohl nach den Osterferien einen festen Experimentiertag pro Woche für die Gesamtgruppe anbieten. Es ist toll zu beobachten, wie sich die Kinder auf diesem Weg für die Wissenschaften begeistern lassen.

 

Zwei neue Waldracker sind mit „Volldampf“ in der Gruppe angekommen.

Fenja Schönwetter ist direkt nach den Weihnachtsferien eingestiegen und war vom großen Bruder Johannes bestens vorbereitet. Sie konnte gleich am ersten Tag mitsingen und sich Lieder im Kreis wünschen.

Seit Mitte März ist auch Lenni ein richtiger Waldracker Er kennt sich auch schon bestens aus, bringt er doch seinen großen Bruder Finn seit drei Jahren fast täglich an die Schranke.

Beide sind schon in verschiedenen Spielen mit den anderen Waldrackern zu beobachten.

 

Immer wieder haben die Kinder mit Wasserfarben gemalt und experimentiert. Mit Zahnbürste, Pinsel, Kamm und Schwamm entstanden tolle Bilder auf Papier, Stein und ausgeblasenen Eiern.

Auch für das alljährliche Osterstrauchschmücken in Braunfels waren die Waldracker wieder sehr kreativ. Aus Holzscheiben und Federn entstand eine ganz entzückende Henne– Hahn- und Küken-Großfamilie. Und aus Birkenzweigen wurden Eier geformt, die mit bunten Wollresten verwebt wurden.

Zu bestaunen ist das alles an einem der vielen Birkenstämmchen auf dem Braunfelser Marktplatz. Herzlich bedanken möchten wir uns an dieser Stelle mal bei allen Eltern, die uns hierbei so tatkräftig unterstützt haben .

Vielleicht findet sich ja auch jemand, der die tollen Sachen nach Ostern vorm Wegwerfen rettet und uns zurückbringt.

 

Natürlich wurde in diesem Winter auch wieder gekocht.

Es gab Spagetti mit Tomatensoße, gekocht bei Eiseskälte hinter unserem Bauwagen, während die meisten Kinder im warmen Bauwagen Gurken, Paprika und Möhren zum Dazuknabbern schnippelten.

Ein anderes Mal bauten wir uns aus zerstoßenem Eis und Salz eine Eismaschine und machten leckeres Himbeereis.

Am nächsten Kochtag gab es dann Pellkartoffeln mit Frühlingsquark und gekochten Eiern.

 

Mal schauen, ob uns das Wetter beim Osterfeuer hold ist und wir ein paar Kartoffeln in der Glut wärmen können. Die verspeisen wir am Gründonnerstag mit Butter und Salz – mhmm. Außerdem könnten wir dann traditionell den Winter endlich komplett verbrennen. Ach ja, wir haben gehört, dass der Osterhase dann auch kommen soll!

 

 

In diesem Sinne wünschen wir euch allen ein schönes Osterfest mit vielen bunte Eiern und freuen uns auf ein fröhliches Wiedersehen nach den Osterferien.

 

Andrew, Sabine und Heike