Elternbrief April 2011

Geschrieben von admin am Mai - 17 - 2011

Liebe Eltern, Großeltern und Freunde der Waldracker

Nach diesem langen Winter steht nun endlich der Frühling ins Haus und Ostern vor der Tür. Anlass genug, zu berichten, was die Waldracker erlebt haben, während die Igel Winterschlaf hielten.

Der Kindergarten startete nach den Weihnachtsferien am Welt-Braille-Tag. Dieser Tag ist Louis Braille gewidmet, dem Menschen, der die  Blindenschrift erfunden hat. Wir beschäftigten uns mit dieser Art zu lesen und zu schreiben und pieksten unsere Namen in Braille. Es entwickelten sich interessante Gespräche über unsere Sinne und unseren Körper. Unser neu
erstandener Torso half uns allen dabei, etwas mehr darüber zu erfahren.

 

 

Leider mussten wir nach ein paar Tagen die Erfahrung machen, dass unser Bauwagen nicht einbruchsicher ist. Neben ein paar Raummetern Holz verschwanden unsere Seile und der Torso. Die Hoffnung, mit Hilfe der Spuren im Schnee den Übeltäter zu finden, löste sich recht schnell in Luft auf. Auch die alarmierte Polizei, die uns am Bauwagen aufsuchte um sich ein Bild zu machen, konnte leider nicht weiterhelfen.

Dafür haben uns unsere engagierten Eltern mit einer Spende geholfen, und wir konnten die gestohlenen Sachen ersetzen. Nun werden sicher keine wertvollen Dinge mehr dort lagern – lieber fahren wir sie im Bollerwagen hin und her. Auch unser Holz ist nach einigem Hin- und Herräumen nun in einer Gitterbox gesichert.

An dieser Stelle möchten wir ein herzliches Dankeschön an alle Spender und Holzräumer loswerden.

Wenn der Schnee uns als Detektiven in diesem Fall auch nicht weiterhelfen konnte, hatten wir doch viele andere Möglichkeiten ihn zu nutzen. Wir entdeckten jede Menge Spuren, die wir verfolgten und im Buch nachschlagen konnten. Wir schmolzen den Schnee auf dem Bollerofen im Bauwagen, malten ihm mit Wasserfarben bunt an und fuhren so lange Schlitten und Poporutscher, bis wir keine Lust mehr hatten. Für unsere Vögel am Bauwagen stellten wir Futterglocken her  – klar dass die Mäuse ihren Teil abbekamen.

Tauwetter und darauffolgender Frost verwandelte Parkplatz und Wege am Weiher in gefährliche Eisflächen, sodass wir den Kindergarten kurzerhand auf den Möttauer Spielplatz verlegten. Wieder am Bauwagen benutzten wir das Eis um uns eine
Eismaschine herzustellen. Mit Salz vermischt entwickelt das getaute Eis eine enorme Kälte. In einer Schüssel, die in diesem Salzwasser steht wurden Sahne, Zucker und Himbeeren gerührt. Nach kurzer Zeit hatten wir köstliches Himbeereis – ganz
ohne Strom!

Passend zum Wetter führte uns unsere Weltreise im Januar und Februar an die beiden Pole. In der Antarktis lernten wir verschiedene Robbenarten kennen und erfuhren eine Menge über Pinguine und ihr Leben, (natürlich wissen die Waldracker jetzt auch, dass es Pinguine in ganz warmen Gegenden gibt, und was sie tun, wenn sie schwitzen). Wir hüpften auf Eisschollen, wärmten uns wie Pinguine gegenseitig im Pulk, bastelten uns Pinguinfingerpuppen und sangen das Lied vom kleinen Pinguin.

Auf der anderen Seite der Erde, in der Arktis, leben die Inuit. Wir lernten die Sprache dieser Menschen kennen und können jetzt sogar ein Lied von zwei schwarzen Raben auf Inuktitut singen. Geschichten und Lieder erzählten uns, welche Tiere es dort
noch gibt und was sie für die Menschen dort bedeuten. Unser Kochtag im Februar stand dann auch im Zeichen dieser Reise. Es gab Fischstäbchen mit Kartoffeln und Rohkost.

Als wir erfuhren, das die Inuit sich, unter anderem  zum Schutz,  Kunstwerke aus Steinen bauen, wollten wir auch unseren Bauwagen vor ungebetenen Gästen schützen. Wir holten einen Bollerwagen voller Steine und errichteten daraus Inukshuk (so heißen diese Werke) am Bauwagen. Mal sehen, ob es wirkt.

Auch am Bauwagen fanden Bauarbeiten statt. Unter Federführung von Herrn Männer und Armin entstand gemeinsam mit den Kindern eine neue Hütte – fast ein Baumhaus  – ganz oben auf dem Hang. Ein neues Domizil, dass immer weitergebaut werden kann und dessen Lage für alle motorisch eine besondere Herausforderung ist.

Dieses Jahr feierten wir das Faschingsfest unter dem Motto : „Alle Menschen und Tiere dieser Erde“. Das Thema begleitet uns ja nun schon einige Monate und bot eine Riesenauswahl. Es tummelten sich Äffchen, Käfer, Zebra, Indianer und Co. am Bauwagen und hatten viel Spaß miteinander.

Dann kam Tauwetter und aus den Schneemassen entstanden Seen an Ampherplatz und Bauwagen und der Möttbach hatte Hochwasser. Außerdem bestaunten wir die verschiedensten Gefährte, die uns im Wald begegneten. Ein Vollernter tat seine Arbeit im Waldstück hinter dem Bauwagen, sodass es kaum wiederzuerkennen ist. Vom Bauwagen aus konnten wir einen Traktor beobachten, der mit viel Mühe einen großen Buchenstamm von der Wiese jenseits des Baches zog. Dann kam zutage, dass die Wühlmäuse den Damm vom Weiher zum Möttbach durchlöchert hatten. Die Firma Jost musste mit Riesenrohren auf großen Lastern, einem  Bagger und jeder Menge Kies anrücken und den Damm schleunigst dicht machen, bevor er brechen konnte.

Superspaßig waren auch unsere Eierexperimente. Die Schale von rohen Eiern lösten wir in Essig auf – heraus kam ein Wabbelei, dass sich sehr seltsam anfasst. Von dem folgenden Experiment konnten die Waldracker nicht genug bekommen: wie mit Hilfe von Feuer „flutschte“ ein gekochtes Ei in eine Milchflasche und mit Hilfe eines Strohhalmes zauberten wir es wieder heraus.

Der Winter wurde milder und bot uns die Gelegenheit, zu unseren Plätzen um den Weiher zu laufen. Immer wieder wurde unsere neue Seilbahn aufgebaut . Sie ist richtig toll und manchmal kam so viel Fahrt auf, dass wir sogar ein Bremsseil anbringen mussten. Am Steinplatz hing ein großer Totholzast im Baum über dem Frühstücksplatz. In einer filmreifen Aktion holten Heike, Aaron und Tine diesen mit Hilfe eines Seiles herunter. Die Kinder betrachteten das Schauspiel aus sicherer Entfernung und feuerten die Akteure an. Oberhalb des  Moosbauchbaumes entdeckten wir einen neuen, unseren achtzehnten Platz, den wir auch gleich einspielten. Es gibt dort unter anderem einen tollen Kletterbaum und jede Menge Stöcke zum Tipi bauen. Natürlich wurde auch wieder der Winter verbrannt. Die selbstgebastelten  Strohpuppen warfen wir mit dem Lied „Hei, so treiben wir den Winter aus“ ins Feuer. Und denkt euch: Bisher kam er nicht zurück.

Am 7. April fand unser Elternmitgehtag bei herrlichem Frühlingswetter statt. An einer Filzstation wurden Wolleier gefilzt, Aus Moosgummi entstanden Hasen und Eier, die wir mit Naturmaterialien beklebten. Holzhühner wurden angemalt und als die aus waren, entstanden tolle bunte Osterstäbe, die jetzt am Begrüßungsplatz hängen. Alle anderen Werke schmücken in Braunfels am Marktplatz einen der Osterbäumchen und können dort bestaunt werden.

Die „Mittleren“ hatten mit dem Kindergarten-Plus-Programm viel Spaß und sind nun fast Profis, wenn es um unsere Gefühle geht.

In der „Vorschule“ wurde von jedem Kind ein Faltbuch vom kleinen Quadrat gefertigt, ein „Erste – Hilfe – Kurs“ absolviert, einiges zum richtigen Umgang mit Feuer gelernt und mit geometrischen Formen experimentiert. Außerdem nahmen sie an einem „Mathetag“ in der Grundschule Weilmünster teil, an dem ganz viele mathematische Experimente zum mitmachen
animierten. Im „Tandem“ wurde dieser Tag von Erzieherinnen und Lehrern der Gemeinde gemeinsam vorbereitet und soll zum festen Bestandteil der Zusammenarbeit werden.

Beim Waldrackerteam gab im letzten Vierteljahr jeden Monat eine Veränderung: Aaron ist seit Januar jeden Dienstag bei uns und schon allen ans Herz gewachsen. Er absolviert noch bis Mitte Mai sein Praktikum in unserem Kindergarten. Im Februar mussten wir von Patrizia Abschied nehmen. Sie hat im April ihre erste Prüfung zur Erzieherin und möchte sich intensiv darauf
vorbereiten. Wir danken ihr für die Zeit bei uns und wünschen ihr für ihre Zukunft alles erdenklich Gute. Seit März gehört Heike zu unserem Team und begleitet uns Dienstags und Donnerstags. Wir freuen uns, dass sie als eine erfahrene
Waldrackermama, jetzt in einer anderen Rolle, bei uns ist.

Jetzt im April, wird uns Tine verlassen. Das wird uns allen sehr schwer fallen. Sie ist von Anfang an bei den Waldrackern gewesen, also seit fast zehn Jahren. Im letzten Jahr ist sie mit ihrer Familie umgezogen und hat seitdem eine lange und im Winter ganz ungünstige Wegstrecke zur Arbeit zu bewältigen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis Sie ein Jobangebot in
ihrer Nähe erhält. Sie wird in einen Waldkindergarten nach Bad Schwalbach wechseln, und obwohl wir alle sehr traurig sind, verstehen wir ihre Entscheidung. Wir möchten ihr alle lieben Wünsche mit auf den Weg geben und ihr ganz herzlich danken, für ihren Einsatz und dafür, wie sie diesen Kindergarten geprägt hat.

Im Mai dann, direkt nach den Ferien startet unsere neue Erzieherin, Steffi Backes. Sie hat schon in zwei Waldkindergärten gearbeitet und bring eine Menge Know-how mit. Wir freuen uns auf Steffi und wünschen ihr einen guten Start.

Euch allen ein schönes Osterfest und wundervolle Frühlingstage

Sabine, Heike, Tine und Aaron

 

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